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 Hintergrundwissen

Herausforderungen & Problematiken im Familienalltag


Neurodivergente Kinder bringen oftmals vielfältige Ressourcen mit, wie z.B. Kreativität, vielfältige
Interessen, Ehrlichkeit oder einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und gleichzeitig kann der
Alltag durch das herausfordernde Verhalten des Kindes enorm anstrengend für die Eltern(teile)
sein. Ihre Impulsivität, nicht enden wollende Wutanfälle, Unaufmerksamkeit und ein unbändiger
Bewegungsdrang sind nur einige Beispiele, die es schwierig machen, gängige Erziehungstipps
und -methoden umzusetzen. Nicht selten führt das auch zu Problemen in der Schule. Es kann auf
Elternseite das Gefühl entstehen, dass der Alltag ohne Streits und Konflikte gar nicht mehr
gestemmt werden kann. Häufig zehrt die Begleitung des Kindes durch den Alltag so viel Energie,
die kleinsten Aufgaben (z.B. Anziehen oder Zähne putzen) stellen große Hürden dar und bei den
Eltern(teilen) überwiegen Verzweiflung und Ohnmachtsgefühle. Zusätzlich wird oft von
Außenstehenden die vermeintlich unzulängliche Erziehung bewertet oder gar verurteilt. (Barkley
2025, S. 63-86)


Da Kinder mit ADHS(-Symptomatik) oftmals viel Vorhersehbarkeit, Stabilität und Struktur sowie

verlässliche Bindungspersonen brauchen, können sich Paarkonflikte oder gar eine Trennungs-
oder Patchworksituation auf der einen Seite und die herausfordernden Verhaltensweisen und

Symptomatiken auf der anderen Seite wechselwirkend beeinflussen (Zemp 2017). Denn
Aufenthaltswechsel zwischen den getrennt lebenden Elternteilen, ungewohnte Umgebungen oder
andere/neue Bezugspersonen sind beispielsweise Faktoren, die sich auf das Nervensystem des
Kindes auswirken, Stress verursachen können oder sogar wie ein Katalysator für die
Überforderung des Kindes wirken.

 


Lösungen und Ziele


Während der Beratungszeit (je nach Art des Verbindungspakets ca. 4, 6 oder 8 Wochen) soll

einerseits eine individuelle Problemanalyse eurer Familienkonstellation und der Eltern-
Kindbeziehung stattfinden und andererseits immer im Hinblick auf mögliche Lösungsstrategien

gearbeitet werden. Beziehungsdynamiken werden sichtbar gemacht, eigene Stressoren und
Energieräuber sollen erkannt werden, um schließlich die Eltern(teile) wieder in ihre Wirkungsmacht
und Regulationskraft zu bringen. Du darfst die für dich und deine Familie passenden
Konfliktlösestrategien erarbeiten, um Belastungen im Alltag zu verringern und (wieder) in
Verbindung zu deinem Kind und Partner*in treten zu können.

 


Methodik


In den Beratungssitzungen arbeiten wir mit einem Werkzeugkoffer aus der systemischen
Familienberatung sowie einigen kreativen Onlinetools. Genogramme, Ressourcen- oder
Netzwerkkarten, zirkuläres Fragen sowie selbstreflexives Arbeiten gehören dazu. Zusätzlich wird
ein Workbook als Begleitmaterial zur Verfügung gestellt, in dem einerseits kleine theoretische
Inputs sowie Schreib- und Interpretationsübungen zu finden sind. (Hosemann, Geiling 2021, S.
168-169) Eventuell wird ein sog. Padlet erstellt, auf dem sowohl Informationen dokumentiert
werden als auch Austausch unter den Eltern(teilen) - wenn gewünscht - stattfinden kann. Hierzu
gibt es einen kostenlosen Zugang.

 


Theoretische Hintergründe


Die Beratung stützt sich auf eine systemische sozialarbeiterische Grundhaltung, die z.B. bei Silvia
Staub-Bernasconi (2015) oder Wolf Ritscher (2025) theoretisch verortet ist. Sie sehen den

Menschen nie isoliert als Individuum, sondern immer im Zusammenhang mit seinen Mitmenschen
und der Umwelt, eingebettet in diverse Strukturen. Der Mensch wird als sog. biopsychosoziales
Wesen mit vielerlei Bedürfnissen und Mitgliedschaften in sozialen Systemen wahrgenommen. Für
die Befriedigung ihrer Bedürfnisse müssen Individuen miteinander kooperieren oder auch in
Konflikt treten, da sie in unterschiedlichster Weise von sozialen (Teil-)Systemen abhängig sind. So
ist beispielsweise ein Kind in einer Familie stärker abhängig von seinen Familienmitgliedern als
eine erwachsene Person.


Die Beratung orientiert sich am Berufskodex der Sozialen Arbeit (DBSH 2025) und deren
ethischen Werte und Normen, insbesondere bilden die Prinzipien der Sozialen Gerechtigkeit aller
im System Beteiligten, die Menschenrechte sowie die Achtung der Vielfalt die Grundlage des
Angebots. Es soll so ausgerichtet sein, dass es dazu beiträgt, die Herausforderungen des Lebens
bewältigen zu können und das Wohlergehen in den Familien zu verbessern.

Literaturnachweise


Barkley, Russell A. (2025). Das große ADHS-Handbuch für Eltern. Verantwortung übernehmen für
Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität. 5., aktual. Aufl. Bern: Hogrefe


Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (2024). Berufsethik der Sozialen Arbeit. Ethik und
Werte in der Sozialen Arbeit. 2. Aufl. Online unter: https://www.dbsh.de/media/public/dbsh-bund/
Profession/2025-05-21_DBSH_Berufsethik_2._Fassung.pdf (abgerufen am 15.03.26)


Hosemann, Wilfried; Geiling, Wolfgang (2021). Einführung in die Systemische Soziale Arbeit. 2.,
überarb. Aufl. München: Ernst Reinhardt Verlag


Hörmann, Martina; Tschopp, Dominik; Wenzel, Joachim (2023). Digitale Beratung in der Sozialen
Arbeit. Stuttgart: Kohlhammer


Ritscher, Wolf (2025). Systemische Modelle für die Soziale Arbeit. Ein integratives Lehrbuch für
Theorie und Praxis. 8. Aufl. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag


Staub-Bernasconi, Silvia (2018). Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft. Auf dem Weg zur
kritischen Professionalität. Stuttgart: UTB


Zemp, Martina (2017). Die elterliche Paarbeziehung in Familien mit Kindern mit ADHS:
Wechselwirkungen zwischen Partnerschaftsstörungen und kindlicher Symptomatik. In: Zeitschrift
für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Vol. 46, No.6. Online unter: https://
doi.org/10.1024/1422-4917/a000558 (abgerufen am 13.04.26)

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